Reuters Starfotograf:


Mohammed Jadallah Salem –
Ein Meister der Täuschung

Vorab ein paar Gedanken

Bevor ihr diesen Artikel lesen, möchte ich ein paar Gedanken vorab loswerden. Viel ist die Rede von „Pallywood“, wenn über den Krieg in Gaza gesprochen wird. Und ja, es stimmt: Es gibt diese Szenen. Schlecht inszenierte Sequenzen von Verletzten und Toten nach einem Bombenangriff; rote Farbe und sich plötzlich bewegende Leichen sind im Netz oft nicht zu übersehen. Auch die fehlerhaften KI-Bilder, auf denen Kinderhände plötzlich sechs Finger haben, sind Beispiele dafür.

Der nachfolgende Text ist jedoch keine Beweisführung dafür, dass das besagte Weltpressefoto eine solche plumpe Fälschung ist. Die Propagandisten der Hamas beherrschen ihr Handwerk – und dieses Foto ist der endgültige Beleg dafür. Mohammed Salem wusste genau, was er mit dieser Inszenierung auslösen würde. Der Boden im Westen war vorbereitet; jahrelang wurden die medialen Voraussetzungen dafür geschaffen. Only so ist es für mich erklärlich, dass dieses Bild eine millionenfache, unkritische Aufmerksamkeit erfuhr.

Dieses Foto hat geschafft, wovon Kriegsstrategen träumen: In der öffentlichen Wahrnehmung wurden aus Tätern Opfer und aus Opfern Täter. Die aufgeklärte Welt und auch Israel standen diesem Phänomen hilflos gegenüber – und bis zum heutigen Tag ist keine adäquate Antwort darauf gefunden worden. Das Foto stellt symbolisch den schmerzvollen Tod eines Kindes dar. Und an dieser Stelle muss ich etwas aussprechen, was einige im eigenen Lager vielleicht nicht gerne hören wollen:

Die tausenden durch Bomben getöteten Kinder im von der Hamas provozierten Krieg – diese unschuldigen Opfer – gibt es wirklich. Ich möchte hier nicht über konkrete, politisierte Zahlen diskutieren. Jeder kann sich diese grausamen, realen Bilder auf Telegram anschauen. Ich musste diese Forensik im Zuge meiner Recherche monatelang über mich ergehen lassen, und es war mitunter zutiefst bedrückend. Die Hamas wollte diesen Krieg, und sie führt ihn sehenden Auges auf dem Rücken der eigenen Bevölkerung.

Ich war schon in meiner Jugendzeit ein überzeugter Kriegsgegner und bis Mitte der 1980er-Jahre aktiv in der Friedensbewegung – zu einer Zeit, als die Friedensbewegung diesen Namen noch redlich verdient hatte. Ich bin nach wie vor der festen Überzeugung, dass Kriege verhindert werden müssen. Doch das bedeutet auch: Totalitäre Regime wie im Iran oder das Terror-Konstrukt in Gaza dürfen erst gar nicht entstehen. Der Gaza-Krieg wurde von der Hamas und anderen palästinensischen Terrorgruppen mit einem beispiellosen Massaker und Geiselnahmen begonnen. Israel hatte jedes Recht, darauf militärisch zu reagieren. Trotzdem muss dieser Krieg enden – und zwar ohne eine Hamas an der Macht.

Bitte lest nun meinen Text. Er ist als notwendige medienforensische Ergänzung zu meinem Dossier Nr. 3 gedacht.

Die Reise geht weiter

Wochen vor der feierlichen Preisverleihung der World Press Photo Akademie in Amsterdam entbrannte in den sozialen Medien eine intensive Debatte über das spätere Siegerfoto von Mohammed Salem.

Als ich dieses Foto zum ersten Mal sah, fiel mir sofort ein, dass mir genau dieses Motiv bereits im Oktober 2023 beim systematischen Durchforsten zahlreicher palästinensischer Telegram-Kanäle aufgefallen war. Es erschien schon am 18.10.2023 auf dem persönlichen Account des palästinensischen Journalisten Muthana Al Najjar. Al Najjar ist in diesem Gefüge keineswegs irgendjemand. Doch dazu im weiteren Verlauf mehr.

Die Metamorphose des Narrativs:
Vom Sohn zur Nichte

Im März 2024 begann ich erneut, gezielt auf Telegram nach diesem spezifischen Foto zu suchen – denn die Aufnahme warf von Beginn an fundamentale Fragen auf. Auf einem weiteren einflussreichen regionalen Kanal, dem Al-Maidan Media Network, wurde ich schließlich fündig. Die zeitliche und inhaltliche Struktur dieses Kanals ist dabei von herausragender Bedeutung.

Die dortige Bildunterschrift lautete am 18.10.2023 um 12:06 Uhr ganz konkret: „Sie kann es nicht ertragen, sich von ihrem Sohn zu trennen, der bei den anhaltenden Bombenangriffen auf den Gazastreifen ums Leben kam“. Direkt unter dieser Meldung wurde der offizielle Kampagnen-Hashtag „#Al-Aqsa-Überschwemmung“ platziert.


Ein Blick auf die Chronologie des Feeds zeigt zudem die unmittelbare redaktionelle Nähe des Kanals zu etablierten arabischen Großmedien: Nur wenige Minuten später, exakt um 12:14 Uhr, speist das Netzwerk eine Eilmeldung unter direkter Berufung auf eine exklusive medizinische Quelle von Al Jazeera ein. Es wird deutlich, dass die „Sohn-Variante“ in einem professionell vernetzten, Al-Jazeera-nahen Medienumfeld generiert und verbreitet wurde. Dieses Netzwerk hat die Bildinhalte Salems von Beginn an im Sinne der regionalen Narrativvorgaben gerahmt.

Die forensische Rekonstruktion der Ereignisse zeigt ein eklatantes, sich stündlich widersprechendes Narrativ in den Veröffentlichungen von Mohammed Jadallah Salem. Die Chronologie der gezielten Desinformation lässt sich anhand der Zeitstempel wie folgt lückenlos nachweisen:

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Hassan Eslaiah (Aslih) – Die Karriere eines Hamas-Propagandisten oder die GescNeues Portfolioelement